Goldener Herbst
Wäre die ganze Welt aus Gold, würden sich die Menschen wohl um eine Handvoll Dreck prügeln.

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................Damit allein besitzt man noch nichts!........................ ..Zufällig gefunden.....................................Vielleicht ein Fluch?

Artikel Nr.: 02; 515 Seiten; als E-book für 2 €; hier zuschlagen; zum nächsten Buch;

Goldener Herbst



Leseprobe:

Die Enttäuschung ist groß und sie steht jedem von uns ins Gesicht geschrieben. Keiner sagt etwas. Jeder schaut nur ab und zu auf die geöffneten Kisten und versucht damit klar zu kommen. So vergehen einige Minuten. Dann setzt Sergei als Erster zum Sprechen an.
"Altes Geld, nur altes Geld und Papier. Warum? Was glaubte dieser Franz, wie lange so altes Geld was wert ist."
Dann flucht er auf Russisch was das Zeug hält.
"Dafür habe ich mein Leben riskiert, bin hierher gefahren und habe dafür mein letztes Geld verbraucht."
Er setzt sich auf eine Kiste und legt seinen Kopf in seine beiden Hände. Es wird schwer sein Sergei zu trösten. Jetzt wird mir klar, was da für ein Unterschied gegeben ist. Für Sergei ist dies ein echtes existentielles Desaster. Für uns nur das enttäuschende Ende eines kleinen Abenteuers.
Ich bin sicher, auch Mike wird darüber nachdenken und vielleicht nach Auswegen suchen. So ein junger, dynamischer, hoch qualifizierter Akademiker sieht da sicher ein paar Chancen mehr, als so ein armer Rentner. Aber wie sieht es bei den jungen Erfolgreichen in der heutigen Zeit mit Mitgefühl aus? Anonym und medienangepasst, immer Mal ein paar Euro auf ein Spendenkonto einzahlen, so als Alibi. Ich habe etwas gegen das Unrecht in der Welt getan! Das reicht für die meisten. Die Welt für 20 Euro verbessert, ist doch besser als nichts.
"Sergei, es tut mir leid.", Mike hebt seinen Kopf und blickt zu Sergei, "Wir werden uns noch einmal in aller Ruhe über deine Situation unterhalten. Vielleicht finden wir eine andere Lösung."
Wow, man soll nicht zu schnell urteilen. Christian, bleibe unvoreingenommen. Wie es scheint ist Mitgefühl vorhanden. Aber wie es konkret aussehen wird, da habe ich keine Ahnung. Mike wahrscheinlich auch nicht. Sagen kann man viel. Wir beide, Frank und ich, wir haben kein Geld. Kann ja sein, Mike verfügt über Reserven, die er als Darlehen zur Verfügung stellen kann. Wäre schön.
Mike steht auch auf und geht verärgert zu den geöffneten Kisten, mit dem teils verschimmelten Papiergeld.
"Was soll das für eine Aktion gewesen sein? Selbst wenn das keine Blüten sind, aber wahrscheinlich sind es Blüten, was glaubte man damit noch anstellen zu können, mit ein paar alten Pfund Sterling? Soviel ich weiß, hat die Bank von England bereits kurz nach dem Krieg neue Banknoten heraus gebracht. Das hier ist einfach nichts, nothing, niente, nada!" Mike schüttelt seinen Kopf.
"Ja, das erscheint auch mir ziemlich absurd.", sage ich und hebe meine Schultern. Sergei, bei dem die Enttäuschung in Wut umzuschlagen droht, steht auf und geht zu dem Stapel Kisten.
"Jetzt will ich wissen, was in jeder einzelnen Kiste ist. Einfach so, um mich abzureagieren." Er beginnt die bereits geöffneten Kisten vom Stapel herunter zu räumen.
"Ja gut, schauen wir nach. Vielleicht finden wir noch ein paar alte Dollars. Als Spielgeld könnte damit Kindern eine Freude bereitet werden." Mike blubbert spöttisch mit den Lippen, geht aber zu Sergei und hilft ihm. Ich schließe mich an. Nach eine halben Stunde sind alle Kisten geöffnet. Nur Papier und alte Pfund Sterling Noten. Natürlich hatte jeder von uns noch eine kleine Resthoffnung. Nun ist auch diese zerplatzt.
"Ich könnte das ganze Zeug in die Luft sprengen." Sergei nimmt einen Stein und wirft ihn auf die Kisten. Er prallt ab und fällt auf die Fläche, wo bisher die Kisten standen. Der Aufprall des Steines klingt hohl. In unseren Sinnen klingelt daraufhin synchron Alarm.
"Das klingt nicht wie felsiger Untergrund." Mike springt auf und läuft an die besagte Stelle, dann Sergei und auch ich, wieder altersbedingt als Letzter. Wir knien auf der Erde und kratzen mit den Händen den Dreck weg, als würden wir in der Wüste nach Wasser graben, kurz vor dem Verdursten. Nur wenige Augenblicke und unsere Hände stoßen auf ebene Flächen und dann auf eine Art Ölpapier. Sergeis Augen beginnen wieder zu glänzen. Wir kratzen und graben wie von Sinnen. Da ist was! Etwas, was auf uns wartet.