Sokrates lebte von 469 v.Chr. bis 399 v.Chr. im heutigen
Griechenland
„Halten Sie sich für einen guten Menschen?“
„Ja? So, so! Dann
sagen Sie mir doch, wieso Sie sich für einen guten Menschen halten?“
„Nun, wenn Sie sich für
einen guten Menschen halten, dann müssen Sie doch auch wissen wieso?“
„Aha. Sie glauben
also nur, dass Sie ein guter Mensch sind? Aber selbst dieser Glaube muss eine
Basis haben, muss aus einer Erkenntnis herrühren.“
„So? Sie wissen es nicht und Ihren Glauben daran können
Sie auch nicht begründen? Warum sagen
Sie dann, dass Sie ein guter Mensch sind? Ebenso gut könnten Sie ein schlechter
Mensch sein, wenn Sie nicht wissen, weshalb Sie ein guter Mensch sind.“
Eigentlich ist bereits
alles gesagt. Selbst der kategorische Imperativ des Immanuel Kant. Er wurde
bereits von meinem Kollegen Konfuzius,
2300 Jahre bevor es Kant zu einem Imperativ werden ließ, formuliert. Fast
wortwörtlich. Ja, ja der alte Konfuzius. Wissen Sie, dass er sich mit Siebzig
ein blutjunges Ding ins Bett holte, weil er einen Sohn haben wollte. Aber
sicher, nur deshalb. Der alte Schwerenöter. Aber wahrscheinlich ist alles nur
Legende. Denn die eigene Unbeherrschtheit ist doch um vieles besser zu
ertragen, wenn es keinen gibt, der sich beherrschen kann.
Mit provozierenden Dialogen hat
Sokrates seine Athener Mitbürger schwer traktiert. Eigentlich wollte er ihnen
helfen klüger zu werden, indem er mit gezielten Fragen ihre falsche Denkweise
offen legte. Das Hebammenprinzip nennt man diese Dialogform
noch heute. Sokrates Mutter war Hebamme. Er selbst arbeitete als Steinmetz. Mit
den Dialogen wollte er helfen Wissen zu gebären. Irgendwie hat er aber
übertrieben. Wegen jugendgefährdenden und gotteslästerischen Reden verurteilte
man ihn zum Tode. Er musste sich selbst umbringen. Seine Verteidigungsrede vor
Gericht, die Apologie des Sokrates, aufgeschrieben von seinem Schüler Platon,
gehört zu den Standardwerken der Philosophie.